Rund Um Den Vierwaldstättersee

Wir haben Glück, denn heute ist Sonntag und wie es sich für einen Sonntag gehört, scheint die Sonne! “Wir” bedeutet, dass ich heute nicht alleine unterwegs bin, sondern von drei Freunden begleitet werde: Tina, Gunnar und Daniel. Am Anfang der Velo-Saison treffen wir uns fast schon traditionell zu einer eher gemütlichen, aber durchaus auch fordernden Runde um den Vierwaldstättersee. Leider nicht um den ganzen See herum, denn von Bauen rauf nach Seelisberg führt keine Strasse, sondern einzig ein steiler Wanderweg mit 850 steinernen Treppenstufen! Da möchte kein Velofahrer seinen Drahtesel schultern. Also gibt es bei uns immer die “kleine” Umrundung, bei der wir von Gersau nach Beckenried mit der Autofähre abkürzen. Das sind dann immer noch etwa 60 Kilometer, also auch mit der Abkürzung ist das keine kleine Spazierfahrt mehr.

Vierwaldstättersee mit Alpenpanorama

Wie so oft treffen wir uns in Luzern am alten Bahnhoftstor. Ein beliebter Treffpunkt direkt am See vor dem Bahnhof. Ich mag diesen Trubel hier nicht besonders und bin froh, als alle da sind und wir uns kurz nach 10 Uhr auf den Weg machen. Bei dieser Tour kommt das Unangenehmste gleich am Anfang: Auf der Strasse mit dem meisten Verkehr in Luzern geht über die Seebrücke und die Haldenstrasse bis zum Verkehrshaus. Das sind gut drei Kilometer, die ich als Velofahrer als “gefährlich” einstufe und für die Luzern bisher keine Lösung gefunden hat finden wollte. Zum Glück haben wir diesen Teil rasch passiert und wechseln hinter dem Verkehrshaus auf ruhige Quartierstrassen.

Allerdings müssen wir uns diesen Weg hart erkämpfen: Gegenüber der stark befahrenen Hauptstrasse ist die Strasse hier im Quartier deutlich steiler und wir haben auch mehr Höhenmeter zu überwinden. Zum Glück haben wir das Gröbste nach anderthalb Kilometern hinter uns. Die nächsten paar Minuten hat es noch ein paar kleinere Steigungen. Doch wir mussten mehr Höhenmeter machen, als gedacht, denn wir haben uns mindestens zwei mal verfahren. Das ist der Nachteil, wenn man in einer Gruppe unterwegs ist: Man redet zu viel, passt ein mal nicht auf und Schwupps, ist man falsch. Für Freude hat das nicht gesorgt, denn die Sonne machte ihre Arbeit sehr gut und es wurde ziemlich warm. Nach zehn Kilometern erreichten wir den höchsten Punkt für heute und es bot sich uns eine fantastische Aussicht auf den Vierwaldstättersee und den Rigi, ein 1'798 m hohes Bergmassiv. Auch der 2'128 m hohe Pilatus zeigte sich vor strahlend blauem Himmel und dazwischen ein wunderbares Alpenpanorama.

Veloweg mit toller Aussicht mit Pilatus im Hintergrund

Dann ging es rasch bergab nach Küssnacht, allerdings entgegen der Planung über die Strasse, denn der eigentliche Weg war leider vorübergehend gesperrt. Aber wir kamen trotz der Umleitung problemlos wieder unten am See an, ohne uns erneut zu verfahren. In Küssnacht steht direkt am See ein metallisches Herz, ein wunderbares Foto-Motiv. Aber nicht für uns heute, wir waren schon öfters hier und haben schon viele Fotos davon. Ausserdem wollten wir lieber rasch weiter, denn wir hatten das Gefühl durch unser Verfahren am ersten Berg viel Zeit verloren zu haben.

Blick über einen Seitenarm des Vierwaldstättersee auf den Rigi

Es gab nämlich noch einen zweiten Berg zu erklimmen. Zwischen Greppen und Weggis gibt es eine Flanke des Rigi, deren Ausläufer bis in den See reicht. Es hat hier deutlich weniger Höhenmeter als der erste Berg und es ist auch weniger steil, aber die Steigung zieht sich etwas und hat hier doch recht intensiven Verkehr. Daher fahren fast alle auf dem Gehweg. Etwa nach der Hälfte muss ich kurz anhalten, durchschnaufen und viel Wasser trinken. Bei Kilometer 20 haben wir es geschafft, der zweite und letzte Berg ist erklommen. Ab hier geht es überwiegend flach weiter, bis zurück nach Luzern.

Nach den zwei Bergen, bisher nur 20 Kilometern aber vielen Höhenmetern und gut zwei Stunden Fahrt, ist es Mittagszeit. Wir beschliessen, in Weggis einzukehren und uns hier zu stärken, bevor wir den Rest der Tour auf uns nehmen. Gesagt getan, einige Leckereien und viele kühle Drinks später überwinden wir uns nach über einer Stunde, wieder aufs Velo zu steigen. Auf einer für den Fahrzeugverkehr gesperrten aber für Fussgänger und Velos freigegebenen Strasse durchqueren wir Weggis und folgen nun immer direkt dem Seeufer bis zur Autofähre bei Gersau.

Mit tollem Panorama den See entlang

Das sind etwas mehr als zehn Kilometer direkt an oder auf der Hauptstrasse. Leider mit viel Verkehr, aber zwischen See und Berg ist gerade mal Platz für die Strasse und einen schmalen Bürgersteig. Den nehmen wir oft in Anspruch, um nicht auf der Strasse fahren zu müssen. Es geht ein kleines bisschen auf und ab, meistens kaum bemerkbar. Die Aussicht auf See und Berge ist wieder mal fantastisch. Was haben wir doch Glück mit dem Wetter, dass wir das tolle Panorama ungetrübt geniessen dürfen.

Die Autofähre fährt von Gersau aus immer zur vollen Stunde nach Beckenried. Unterwegs haben wir Bedenken, dass wir die nächste Fähre noch rechtzeitig erreichen. Da wir sie nicht knapp verpassen und eine volle Stunde am Anleger warten möchten, erhöhen wir unser Tempo. Ratzfatz sind wir an der Fähre und merken, dass wir die letzten Kilometer nicht hätten hetzen müssen. Wir waren anscheinend näher an der Fähre, als wir dachten und mussten sogar noch ein paar Minuten auf deren Eintreffen warten.

Auf der Fähre haben wir es uns dann auf dem Oberdeck gemütlich gemacht. Die rund zwanzigminütige Überfahrt kostet für eine Erwachsene Person inklusive Velo genau CHF 10.–. Seit diesem Jahr kann man auch mit Twint bezahlen. Das probieren wir natürlich aus und wenig überraschend funktioniert das tadellos. Früher musste man immer bar bezahlen, da ging dann die Suche nach Kleingeld los. Aber das ist jetzt Geschichte und wir geniessen stattdessen die Fahrt auf der Fähre und den Blick auf die Berge vom See aus. Das ist immer wieder eine ungewohnte, aber sehr schöne Perspektive.

Mit der Fähre über den See

Viel zu schnell sind wir in Beckenried und unsere Pause ist zu Ende. Aber wir wissen, dass es von hier aus nur ein leichtes Nach-Hause-Rollen ist. Es sei denn, zwischen Stansstad und Stans kanalisiert sich der Wind zwischen den Bergen - genau das tut er heute und es gibt einen netten Gegenwind. Aber ich kenne einen guten Weg durch die beiden Dörfer, so dass sich der Wind an den Häusern bricht und sich uns weniger stark entgegen stellt. Doch bevor wir diesen Abschnitt befahren, müssen wir noch etwas nachholen, was wir heute Mittag ausgelassen haben: Dessert! Am Allmendhuisli legen wir einen letzten Halt ein und bei um die 30 °C gönnen wir uns ein Glace.

Dann nehmen wir uns die letzten paar Kilometer vor: Erst durch Stans, dann zum Alpnachersee und durch Stansstad hindurch wieder an den Vierwaldstättersee. Die frisch getankten Kalorien machen sich positiv bemerkbar und treiben uns durch Hergiswil, Horw und Kriens zurück zum Startpunkt an den Bahnhof in Luzern.

Eine tolle Runde als Start in die Velo-Saison, auf die wir uns jedes Jahr aufs Neue freuen. Das Wetter war super, jedenfalls bis zu unserer Rückkehr: Denn bald darauf verdunkelte sich der Himmel und es brach ein recht heftiges Gewitter los. Aber wir waren wieder Zuhause! Nach fast 60 Kilometern mit über 500 Höhenmetern und letztens Ende doch nur etwas mehr als drei Stunden Bewegungszeit haben wir einen echt guten Schnitt von etwas über 17 km/h hingelegt. Okay, wir hatten auch viele kleine und einige grössere Pausen. Insgesamt waren wir knapp sieben Stunden unterwegs. Ich rechne jetzt besser nicht unsere kumulierte Pausenzeit aus. Es war schliesslich eine Genussfahrt! Auf jeden Fall bin ich müde und vor allem sehr zufrieden. Ein toller Sonntag, davon darf es gerne viele weitere geben!

Die Strecke in der Übersicht

Mehr Details zur Strecke und einige Fotos gibt es wie immer bei Komoot und bei Strava.

Dein
Marcus