On the Road Again

Endlich ist es so weit: Mein geliebtes Gravelbike hat seine neue Schaltung bekommen. Das hört sich so einfach an. Dabei ist die Liste der ausgetauschten Teile wirklich lang (und entsprechend teuer):

  • Neues Schaltwerk
  • Neue Kassette
  • Neues Kettenblatt
  • Neue Kette
  • Neue Brems- und Schalthebel
  • Neue Bremsen vorne und hinten
  • Neue Bremsleitungen
  • Neues Lenkerband

Nach der ersten (nicht letzten!) Ölung (der Kette) mit DryFluid konnte ich es kaum erwarten, eine erste Runde zu drehen und mich mit Schaltung und Bremsen vertraut zu machen. Nachdem ich die vorherige Schaltung genau zwei Jahre gefahren bin (und leider ein paar Probleme damit hatte), wird es wohl ein paar Tage dauern, bis ich mich an die neue gewöhnt habe. Bei der alten Rotor war die Schaltung komplett im rechten Bremshebel integriert (zum Hoch- und Runterschalten), bei der neuen SRAM schaltet man rechts hoch und links runter. Es wird wohl ein paar Schaltvorgänge brauchen, bis ich das verinnerlicht habe.

Während mein Gravelbike defekt war, gab es draussen die ganze Zeit über wunderbaren Sonnenschein. Jetzt ist mein Gravelbike wieder fahrbereit und natürlich hat das Wetter punktgenau umgeschlagen. Regen. Sogar Schneeschauer. Nass. Rutschig. Aber ich bin heiss auf Fahren. Die Lösung: Über die Alpen ins Tessin. Das ist der Vorteil wenn man in Luzern wohnt: Von hier aus braucht der Zeug weniger als anderthalb Stunden auf die andere Seite der Alpen, die oft wie eine Wetterscheide wirkt. Wettervorhersage: Bis zu 13 Stunden Sonnenschein und bis zu 17 Grad. Optimal!

Genau an diesem Wochenende findet im Tessin der erste SlowUp dieses Jahres statt. Ziemlich genau 50 Kilometer gesperrte Strassen. Das ist nichts, um irgendwelche Streckenrekorde zu holen. Eher das genaue Gegenteil. Mit der ganzen Familie gemütlich eine Runde drehen mit vielen kulinarischen Köstlichkeiten auf der Strecke. Zudem gibt es entlang der ganzen Strecke an mehreren Stellen technischen Support für das Velo. Das hört sich nach einem Plan an! Ein paar Freunde haben sich angeschlossen und die Velostellplätze im Zug durch den Gotthard sind reserviert.

Los geht’s sehr früh am Sonntag Morgen. Um 06:30 Uhr klingelt der Wecker. Ich brauche immer etwas Anlaufzeit, wenn es so früh ist. Um 8 Uhr habe ich mich mit einer Freundin am Bahnhof verabredet, der Zug fährt um 08:18 Uhr. So bleibt noch ein bisschen Zeit, ein kleines Frühstückchen für die Zugfahrt zu besorgen. Die Anreise selbst wird spannend: Ich fahre das erste mal durch den fast 60 km langen Gotthard-Basistunnel. Dieser spart, verglichen mit der alten Strecke durch den höher gelegenen Scheiteltunnel, etwa 45 Minuten Fahrzeit.

Nach etwas weniger als anderthalb Stunden kommen wir pünktlich in Bellinzona an und treffen uns vor dem Bahnhof mit drei weiteren Freunden. Zwei kommen mit auf die 50 km lange SlowUp Strecke, eine möchte lieber Sightseeing in Bellinzone und Locarno machen (das war aber auch so geplant). Um 10 Uhr wird die Strecke offiziell geöffnet (ab dann ist garantiert, dass sie komplett abgesperrt ist) und wir machen uns am Bahnhof pünktlich auf den Weg. Bis zur Strecke sind es keine fünf Minuten. Auf geht’s in den Trubel!

Bei einem “SlowUp” sind nur “Langsamfahrmittel” wie zum Beispiel Velos und Inline-Skates zugelassen. Zu Fuss darf man natürlich auch teilnehmen. Nur eben ohne Motor. Die komplett abgesperrte und daher autofreie Strecke ist immer ein Rundkurs, so dass man an verschiedenen Stellen beginnen kann. Meistens ist sie so um die 50 km lang, wenn man sie komplett fahren möchte. Über die ganze Strecke verteilt gibt es immer wieder Aktionen und vor allem viele Verpflegungsmöglichkeiten. Und falls man technische Unterstützung benötigt, ist sogar dafür gesorgt. Man wird sozusagen rundherum betreut.

Wenn dann noch gutes Wetter dazu kommt, dürfte jedem klar sein, dass es voll werden wird. So auch bei unserer Runde. Aus Belinzona heraus war der Weg schon recht voll. Aber er war sehr gut geplant, durch schöne Gegenden aus der Stadt heraus. Und wenn man ganz entspannt fährt und mit der Masse einfach mitschwimmt, ist es trotz der hohen Teilnehmerzahl der angenehm. Man darf sich einfach nicht stressen oder zum Schnellfahren verleiten lassen. Auf dem Land hat es sich dann deutlich mehr verteilt. An den “Attraktionen” sind wir einfach vorbei gefahren. Die Strecke war grösstenteils flach, mit nur wenigen und leichten Anstiegen. Eine super Sache für einen entspannten und gemütlichen Ausflug. Und um ohne Stress meine neue Schaltung kennen zu lernen.

In Locarno haben wir uns am “Wendepunkt” auf dem Marktplatz im Zentrum ein Restaurant gesucht und dort zu Mittag gegessen. Das hat sich etwas in die Länge gezogen, aber wir hatten schliesslich genug Zeit und das Wetter war fantastisch. Der Rückweg war die ersten Kilometer identisch zum Hinweg, aber getrennt geführt. Aus Locarno raus und dann weg vom See ging es auf einer anderen Route zurück nach Bellinzona. Zum Teil mit etwas Gegenwind, aber er hielt sich zum Glück in Grenzen.

Zurück in Bellinzona habe ich dann schon meinen Allerwertesten gespürt. Die Strecke war zwar nur 50 km kurz, aber wir waren so gemütlich unterwegs, dass es recht lange gedauert hatte. Für die ganze Runde hatten wir, inklusive aller Pausen, etwas über sechs Stunden benötigt, wovon wir aber nur etwas mehr als dreieinhalb Stunden in Bewegung waren. Also knapp zweieinhalb Stunden Pause, wovon die Mittagspause alleine schon gute zwei Stunden gedauert hatte. Langsam, gemütlich, geniessen. Kurzum: Wir hatten alle zusammen einen tollen Tag!

Jetzt bin ich wieder Zuhause und sowohl die neue Schaltung als auch die neuen Bremsen haben wunderbar funktioniert. Nach ein paar Wochen Sofazeit und dann ein paar Wochen technischer Zwangspause hat meine Fitness die letzten Monate arg geleidet. So faul wie diesen Winter war ich schon viele Jahre nicht mehr. Da war die doch entspannte SlowUp-Runde als kleiner Starter genau das Richtige. Den Spass und die Freude von heute werde ich in den nächsten Tagen und Wochen mit vielen weiteren Fahrten replizieren. Das muss ich auch, denn für Mai habe ich mit Freunden eine Städtereise nach Venedig geplant. Dabei fahren wir zu zweit mit dem Velo, die Damen nehmen den Zug. Da muss ich über den Gotthardpass. Ganz oben rüber, ohne Tunnel oder Bahn. Bis dahin muss es dann wieder etwas besser aussehen mit meiner Fitness. Also los, raus und auf die Strasse, in den Dreck, Spass haben und gut gelaunt die Gegend unsicher machen…

Dein
Marcus