Schwarzer Freitag

Arschkalt bei -2 °C aber sonnig - so begann mein Freitag. Ich war echt gut drauf, denn immerhin war es trocken und die Vorhersage versprach für den Mittag sogar zweistellige Plusgrade. Nach einem ausgiebigen Frühstück fühlte ich mich genug gestärkt und bereit für den grössten Anstieg meiner viereinhalbtätigen Tour von Luzern nach Brühl bei Köln über insgesamt 700 km. Dort findet nächste Woche die JavaLand statt, eine Konferenz für Software-Entwickler. Die erste seit fast drei Jahren für mich. Wie bereits 2019 bei der letzten “echten” JavaLand, so wollte ich auch dieses Jahr die Hin- und Rückreise mit meinem Velo machen, die Strecke ist wunderschön und lädt sehr zum Geniessen ein.

Gestern habe ich nach der Arbeit bereits die ersten Kilometer in Angriff genommen und bin von Luzern nach Erlinsbach gefahren. Viel mehr als diese 70 km waren nicht drin, denn ich konnte erst nach der Arbeit losfahren und am Abend hatte ich eine Remote-Sitzung mit der Java User Group Switzerland. Doch zurück zu heute. Tag zwei, jetzt geht es richtig los. Die Kälte machte mir nichts aus, wusste ich doch, dass der Anstieg über den Jura-Buckel nach zwei Kilometern beginnt und gute zehn Kilometer anhält. Das sollte reichen, um auf dem Velo warm zu werden!

Mein Gravelbike - gepackt und abfahrbereit

Geplant waren für heute 165 km von Erlinsbach in der Schweiz über den Jura, durch Basel, über die Grenze nach Frankreich und entlang der Kanäle Canal du Huningue und Canal du Rhône au Rhin nach Erstein im Elsass, das ist kurz vor Strasbourg. Doch die Überschrift lässt es bereits erahnen: Es kam anders als geplant!

Statt in Erstein, sitze ich jetzt wieder in Luzern. Doch was war passiert? Auf meinem Weg rauf zum höchsten Punkt der ganzen Tour auf 908 Meter über dem Meer hat sich meine Schaltung verabschiedet! Doch nicht nur, dass ich nicht mehr schalten konnte - sie sprang zudem automatisch auf das kleinste Ritzel, also den schwersten Gang. So war bergauf natürlich kein Vorwärtskommen mehr, unmöglich das Velo in Bewegung zu bringen. Alle meine Reparaturversuche schlugen fehl.

Doch noch wollte ich nicht aufgeben. Nicht weit weg war Aarau. Dorthin ging es grösstenteils bergab, das war also möglich. So habe ich mich dann nach Aarau zum Bahnhof geschleppt und von dort einen Direktzug nach Zürich erwischt. In Zürich Enge bin ich dann zu Backyard, dem Velo-Mech meines Vertrauens. Er hat sofort alles andere liegen lassen und versucht, mir zu helfen. Doch ich mache es kurz: Keine Chance. Das Schaltwerk ist defekt (genau genommen die Indexstange) und muss komplett gewechselt werden.

Dazu muss ich sagen, dass ich ein hydraulisches Schaltwerk aus europäischer Produktion fahre, von Rotor aus Spanien. Dafür hatten sie kein Ersatz-Schaltwerk vorrätig und es muss erst bestellt werden. Dazu kommt noch, das heute Freitag ist, also ein Wochenende folgt und daher selbst bei einer sehr schnellen Lieferung nicht vor Montag mit dem Ersatzteil zu rechnen ist.

Damit war klar, dass es für mich mit meinem geliebten Gravelbike nicht weiter geht und ich diese Tour, auf die ich mich schon so lange gefreut hatte, schweren Herzenz vorzeitig abbrechen muss. Enttäuscht habe ich mich auf den Heimweg nach Luzern gemacht und plane jetzt meine Reise zur JavaLand mit dem Zug.

Aber es ist nicht aller Tage Abend. Diese Tour sollte auch eine Vorbereitung auf meine nächste Reise sein, denn in wenigen Wochen geht es über die Alpen nach Venedig. Hoffentlich ist bis dahin alles wieder in Ordnung gebracht und ich hatte auch noch Zeit, etwas an meiner Kondition zu arbeiten. Denn die Alpen sind doch ein anderes Kaliber als der Jura…

Drück mir die Daumen!

Dein
Marcus